Gemeinsames Positionspapier bayerischer Akteurs-Netzwerke der Kultur- und Kreativwirtschaft zur Förderung der Branche in der Legislaturperiode 2018 – 2023 des Freistaates Bayern.

AUSGANGSLAGE

KULTUR-UND KREATIVWIRTSCHAFTS BAYERNS

Die Kultur- und Kreativwirtschaft zählt zu einem stark wachsenden und dynamischen Wirtschaftsbereich in Deutschland. Gemäß dem Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012 der Bundesregierung hat die Branche im Jahr 2012 ca. 143 Milliarden Euro umgesetzt und erreicht damit ähnliche Größenordnungen wie die Branchen Automobil, Maschinenbau, Energie und Chemie.

Jedes 13. Unternehmen gehört in Bayern zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Diese rund 40.000 Unternehmen erzielten einen Umsatz von über 30 Mrd. Euro. Damit wird mehr als jeder fünfte Euro des Umsatzes der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern erwirtschaftet – und jedes fünfte deutsche Unternehmen diese Art ist in Bayern ansässig.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist auch für den bayerischen Arbeitsmarkt von großer Bedeutung. Mit über 200.000 Erwerbstätigen liegt sie nur knapp hinter den Leitbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau. In Oberbayern mit der Landeshauptstadt München arbeitet sogar jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in dieser Branche. Abgesehen von dieser “natürlichen” Konzentration in der Metropolregion ist die Kultur- und Kreativwirtschaft in allen bayerischen Regionen verteilt. Die Entwicklung geht weiter nach oben; die Branche entwickelt sich sehr dynamisch – und in Bayern noch schneller und stärker als in anderen Bundesländern. Leider gibt es dazu keinen aktuellen Bericht der Landesregierung mit konkreten Zahlen, was die Branche sehr bedauert.

Typisch für die Struktur der Kultur- und Kreativwirtschaft ist die hohe Anzahl an Kleinstunternehmen und Freiberuflern. Diese Struktur führt zu Problemen etwa bei dem Zugang zu Finanzierung, der Erschließung überregionaler Märkte oder auch bei der Vernetzung mit Unternehmen klassischer Wirtschaftsbranchen. Zur Kultur- und Kreativwirtschaft gehören die elf Teilmärkte: Architektur, Buchmarkt, Designwirtschaft, Filmwirtschaft, Kunstmarkt, Darstellende Künste, Musikwirtschaft, Pressemarkt, Rundfunkwirtschaft, Software-/Games-Industrie, Werbemarkt sowie ‚Sonstige, ein Sammelbegriff für Innovationsbetriebe, die sich nicht einem spezifischen Teilmarkt zuordnen lassen.

DIE BRANCHEN AKTEURS-NETZWERKE AUF LANDESEBENE

Im Juli 2018 unterzeichnen die drei Akteurs-Netzwerke Forum Kreativwirtschaft Regensburg e.V., das Kreativunternehmer-Netzwerk Fichtelgebirge KÜKO e.V. und das Freie Akteurs-Netzwerk Ingolstadt einen Kooperationsvertrag auf Landesebene, um als Multiplikator für eine aufstrebende Bayerische Kultur- und Kreativwirtschaft im Flächenland Bayern einzutreten. Dabei spielt die Vernetzung der Akteure untereinander und die Vernetzung zu den anderen Wirtschaftszweigen eine herausragende Rolle. Leistung, Angebot und Wert der Branche können so einer breiten Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden.
Nach ersten erfolgreichen Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium laden die drei Netzwerke bayernweit zu einem Informationstreffen im November 2018 in Regensburg ein, um die Gründung eines Landesverbands vorzubereiten. Mehr als 60 Akteure aus ganz Bayern folgen dem Aufruf. Ihre zahlreiche Teilnahme zeigt die Wirksamkeit der Initiative in der Fläche und den Bedarf an Vernetzung und Repräsentation des Wirtschaftssektors in Stadt und Land. 2019 soll der bayerische Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft (LVKK) gegründet werden.

FORDERUNGEN AN DIE LANDESREGIERUNG DES FREISTAATES BAYERN

  1. HANDLUNGSSTRATEGIE

Es muss eine Handlungsstrategie zur Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaft für die kommende Legislaturperiode ausgearbeitet werden. Hierfür ist es sinnvoll eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den bereits kooperierenden bayerischen Akteurs-Netzwerken anzusetzen – und nach der Gründung 2019 mit dem repräsentativen LVKK.

  1. EIN EIGENES REFERAT IM WIRTSCHAFTSMINISTERIUM

Zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Bayern ist es zwingend notwendig, wieder eine zentrale Anlaufstelle für die Kultur- und Kreativwirtschaft Wirtschaftsministerium des Freistaates zu schaffen – so wie bereits gehabt. Das gab es bereits mit Ministerialrätin Dr. Andrea Niedzela-Schmutte als Leiterin des Referats für Kultur- und Kreativwirtschaft, Design; ihre Stelle wurde jedoch nicht nachbesetzt. Dabei muss vor allem Wert darauf gelegt werden, dass diese zentrale Anlaufstelle die Belange der Branche selbst kennt und aus dieser heraus niederschwellig und in der Fläche agiert. Nur so kann eine nachhaltige und zielgerichtete Arbeit der Anlaufstelle gesichert werden, die in der bayerischen Fläche Kontaktstellen realisiert, auch so Verfügbarkeiten und Angebote flächendeckend möglich macht und dadurch auch vor Ort standortfördernd wirken kann. Ziel sollte hier die sinnvolle Vernetzung der bestehenden Branchenverbände mit den Akteurs-Netzwerken sein. Als Wissensträger und Ansprechpartner stehen hier die bereits bestehenden Akteurs-Netzwerke bereit; mit entsprechenden Landesmitteln wären sie auch in der Lage, Regionen ohne Ansprechpartner entsprechend zu entwickeln und zu begleiten.

  1. GEZIELTE FÖRDERUNG

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine junge Industrie voller Innovationskraft und stellt klassischen Industrieunternehmen und Produzenten wertvolle Arbeitsgrundlagen insbesondere auf dem Gebiet der Wissensgenerierung, -prozessierung und -kommerzialisierung zur Verfügung. Die Diversität der Branche ist dabei ein großer Vorteil. Eine gezielte Förderung der Branche ist deshalb für den Wirtschaftsstandort Bayern von großer Bedeutung. Im Rahmen der gegenwärtigen Förderstrukturen wird eine entsprechende Unterstützung der Gesamtwirtschaft jedoch nur unzureichend bedient.

Daher fordern wir geeignete Förderinstrumente, die auf die Spezifika der Kultur- und Kreativwirtschaft abgestimmt sind:

  • Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel zur Standortförderung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern
  • Zugang zu Fördermitteln für Projektentwicklungsprozesse im ländlichen Raum, um lokale Zentren in der Fläche zu ermöglichen
  • Erweiterung des bestehenden technologiekonzentrierten Innovationsbegriffs für Förderrichtlinien um die besonderen Dienstleistungen der Kultur- und Kreativwirtschaft
  • Ausbau von entsprechenden Bildungseinrichtungen/Hochschulen um Bachelor- bzw. Masterstudiengange in der Fläche, um so die jeweilige Standortattraktivität zu erhöhen und späteren Wegzug von Fachkräften zu minimieren
  • Finanzielle Beteiligung an Kreativzentren in der Fläche, die gezielt klassische Wirtschaftsbranchen mit Unternehmen der Kreativwirtschaft „unter einem Dach“ vereinen, um zukunftsfähige Synergien und Innovation (und damit Arbeitsplätze!) zu ermöglichen
  • Regelmäßige und repräsentative Datenerhebungen zur Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft, um die Potenziale herauszuarbeiten und nachhaltig verbessern zu können – unter Einbeziehung von Kleinstunternehmen unter der Umsatzgrenze von 17.500 Euro
  • Förderung von bezahlbarem Raum (Büros, Coworking Spaces, Ateliers, Zwischennutzungsmodelle und klassische Immobilien) für Akteure der Branche als Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg in Bayern
  • Unterstützung der unternehmerischen und wirtschaftlichen Professionalisierung der Branche (unter Berücksichtigung der spezifischen Gegebenheiten der 12 Teilmärkte) durch finanzielle Mittel oder Förderprogramme, um von meinst wenig zielführenden IHK-Programmen weg und hin zur Wirtschaftsförderung zu kommen; sinnvoll ist hier die organisatorische Einbeziehung der bestehenden Akteurs-Netzwerke
  • Übernahme einer sichtbaren Impulsgeber-Rolle der Landesregierung in regionale Verwaltungen und kommunale Anlaufstellen

Regensburg, Ingolstadt und Bad Berneck, 18. Dezember 2018

Ansprechpartnerin für die Kooperierenden Netzwerke:

Carola Kupfer, 1. Vorsitzende

Forum Kultur- und Kreativwirtschaft Regensburg e.V.

Wahlenstr. 17
93047 Regensburg
T 0171-3411682
W https://www.forum-kreativwirtschaft.de/de/
E carola.kupfer@forum-kreativwirtschaft.de

Sabine Gollner, 1. Vorsitzende

KÜKO e.V.
Kreativunternehmer-Netzwerk im Fichtelgebirge

Maintalstr. 123
95460 Bad Berneck
T 09273-9668670
M 01578-2239265
www.kueko-fichtelgebirge.de
kueko@itsabouttime.de

Sigrid Diewald

Freies Akteurs-Netzwerk Ingolstadt

Harderstr. 22
85049 Ingolstadt
T 0841 14281-10
M 0151 41811423
E  diewald@schnellervorlauf.de
W www.schnellervorlauf.de