Die Neujustierung der Kultur- und Kreativwirtschaft

Beim 14. Medienkongress der vbw am 19. November 2025 stand die Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft im Zeichen der Künstlichen Intelligenz. Unter dem Leitthema „Smart Creativity“ diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Kreativszene die Frage, wie sich menschliche Kreativität und KI sinnvoll ergänzen lassen und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um die Potenziale neuer Technologien voll auszuschöpfen.

In seiner Begrüßung machte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt deutlich, wie groß der Handlungsbedarf ist: Die Kreativwirtschaft sei ein zentraler Impulsgeber für Innovation und gesellschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig stehe die Branche laut dem vbw KreativIndex, der die wirtschaftliche Lage der Kultur- und Kreativwirtschaft misst, aktuell stark unter Druck. Umso wichtiger sei es, neue Chancen zu ergreifen und Geschäftsfelder konsequent weiterzuentwickeln.

In seiner Keynote beleuchtete Staatsminister Dr. Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen, die KI für die Kultur- und Medienwirtschaft mit sich bringt. „KI verändert unser Selbstbild als schöpferisches Wesen. Die Technik überholt die Revolution des Geistes“, so Weimer. Gleichzeitig widersprach er der verbreiteten Wahrnehmung, Deutschland sei beim Thema KI zurückhaltend: Tatsächlich werde hierzulande viel erprobt und entwickelt – Deutschland sei international gut aufgestellt. Sein Fazit: Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Innovationsmotor der digitalen Moderne.

KI eröffnet der Kultur- und Kreativwirtschaft neue Marktmöglichkeiten. Damit diese Potenziale genutzt werden können, bedarf es jedoch klarer Rahmenbedingungen. Aus Sicht der vbw sind insbesondere die Integration von KI in die künstlerische Aus- und Weiterbildung, etwa durch Open-Labs und Experimentierräume, sowie der Aufbau von KI-Kompetenzzentren von zentraler Bedeutung. Auch Cloud-Initiativen für die Kreativwirtschaft sollten stärker gefördert werden. Darüber hinaus sind faire Regeln im Urheberrecht sowie ein verlässlicher Rechtsrahmen für KI-generierte Inhalte notwendig. Hier sieht die vbw insbesondere die Europäische Union in der Verantwortung, rechtliche Klarheit zu schaffen.

In weiteren Impulsvorträgen wurde der Transformationsprozess der Kreativwirtschaft aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Erste Ergebnisse der für März 2026 geplanten Studie der vbw zur Neujustierung der Kultur- und Kreativwirtschaft wurden vorgestellt und diskutiert. In der anschließenden Podiumsdiskussion erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Publikum, welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erforderlich sind, damit KI in der Kreativbranche erfolgreich und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.

Auf dem Podium und in den Vorträgen präsentierten Expert*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kreativpraxis ihre Perspektiven:

  • Dr. Wolfram Weimer, Staatsminister, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
  • Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.
  • Jenny Habermehl, Kreativdirektorin, Fotografin, Dozentin und Autorin
  • Christian Kestermann, Senior Data Science Consultant, IW Consult GmbH
  • Sophia Liu, Creative Media Director, Cultural Policy Lab
  • Dr. Christian Steinau, Gründer und Geschäftsführer, Cultural Policy Lab

Die Moderation übernahm Dr. Hilmar Klink von der IW Consult GmbH.

Der Medienkongress zeigte deutlich, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft vor großen Veränderungen steht. Künstliche Intelligenz wird dabei eine immer wichtigere Rolle spielen. Entscheidend ist, dass Mensch und Technologie sinnvoll zusammenarbeiten. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen, Offenheit für Neues und den Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Kreativbranche.