Kulturelles Kapital stärkt die Demokratie

Kultur schafft Räume für Austausch, macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar und stärkt damit demokratische Gesellschaften.

Die Studie „Was stärkt Demokratien?“ des Roman-Herzog-Instituts untersucht, welche Ressourcen demokratische Gesellschaften stabilisieren. Dafür betrachtet sie sieben Formen von „Kapital“ – darunter auch das kulturelle Kapital. Grundlage ist ein Vergleich von 181 Ländern.

 

WAS BEDEUTET KULTURELLES KAPITAL?
Kulturelles Kapital umfasst in Anlehnung an den Soziologen Pierre Bourdieu:
  • kulturelle Kompetenzen
  • Kulturgüter (z. B. Bücher, Kunstwerke)
  • formale Bildungsabschlüsse
Kultur ist daher ein wichtiger Bestandteil demokratischer Öffentlichkeit, da es den Zugang zu Diskussionen beeinflusst, verschiedene Lebensrealitäten kommuniziert und die Integration fördert, z. B. Über Sprache, Geschichte und gemeinsame Narrative.

 

KULTURELLES KAPITAL STÄRKT DIE DEMOKRATIE
Künstlerische Arbeit, kulturelle Produktion und öffentliche Veranstaltungen ermöglichen es, gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen, Perspektiven zu hinterfragen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Damit können sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

 

VIELFALT UND MINIMALKONSENS
Kulturelles Kapital kann in pluralen Gesellschaften aber auch zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beitragen, wenn unterschiedliche kulturelle Praktiken höher bewertet werden als andere. Exklusive kulturelle Milieus können gesellschaftliche Spaltungen verstärken. Demokratische Kulturpolitik steht deshalb vor einer doppelten Aufgabe. Sie muss kulturelle Vielfalt ermöglichen und gleichzeitig minimale normative Grundlagen wie Rechtstaatlichkeit sichern.

 

KULTURFÖRDERUNG IST DEMOKRATIEFÖRDERUNG
Die verschiedenen Kapitalarten beeinflussen sich gegenseitig. „Politiken, die einseitig eine Kapitalart maximieren, können langfristig die Grundlagen demokratischer Stabilität aushöhlen“ (S. 26).
Besonders wichtig sind autonome Orte des direkten Austauschs. „Organisationen der Zivilgesellschaft sollten staatlich gefördert, aber nicht vereinnahmt werden“ (S. 30).